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Presseinformation im Vorfeld der 13. Jahrestagung
der Österreichischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe in Korneuburg



Harninkontinenz: Nur 5% der betroffenen Frauen sind in Behandlung


Der niederösterreichische Gynäkologe Prim. Univ.-Prof. Dr. Paul Riss vom LKH Mödling und der Urologe Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Hübner vom LK Korneuburg berichten über ihre Erfahrungen mit der TVT-Methode

In Niederösterreich leiden rund 160.000 Frauen aller Altersgruppen an Harninkontinenz. Seit 6 Jahren steht die von Prof. Ulf Ulmsten von der Universität Uppsala entwickelte TVT-Methode (TENSION FREE-VAGINAL-TAPE = spannungsfeies Vaginalband) zur Verfügung, bei der die Harnröhre gestützt und der ungewollte Harnverlust vermieden wird. Seit 1998 wird die Methode weltweit - so auch in Österreich - angewandt. Langzeitstudien bestätigen nun die Erfolge der ersten Jahre und die langfristige Wirksamkeit der Methode. 10.000 Operationen wurden in Österreich bereits durchgeführt, weltweit waren es bisher 230.000.
Eine im Vorjahr im renommierten "International Urogynecology Journal" veröffentlichte 5-Jahres-Studie untermauert die Langzeiterfolge und die Sicherheit dieser minimal-invasiven Methode. Mit einem speziell strukturierten regulierbaren Band wird die Harnröhre gestützt und damit der ungewollte Harnverlust verhindert. Der Eingriff wird unter lokaler bzw. regionaler Betäubung durchgeführt und dauert ca. 30 Minuten. Der Zugang erfolgt über kleine Schnitte, ein großer Unterbauchschnitt wird damit vermieden. Die 5-Jahres-Daten zeigen, dass die Erfolgsrate bei 95% liegt (85% Heilung, 10% deutliche Verbesserung).
Prim. Univ.- Prof. Dr. Paul Riss, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie am LKH Mödling, zeigt sich von der Methode begeistert: "Mit der TVT Operation ist wirklich ein Durchbruch in der operativen Behandlung der Stressharninkontinenz gelungen. Die Erfolgsraten sind mit der der bisherigen Standardoperation ident, die TVT Operation hat aber einige wesentliche Vorteile: sie dauert nur 1/2 Stunde, wird ohne Vollnarkose entweder in Lokal- oder Regionalanästhesie durchgeführt und die Patientin kann bereits nach ein bis drei Tagen nach hause gehen."

Auch im Landesklinikum Weinviertel Korneuburg an der urologischen Abteilung hat sich diese Methode bewährt. Prim. Univ.- Doz. Dr. Wilhelm Hübner über seine Erfahrungen: "Unsere urologische Abteilung war die erste in Niederösterreich, die die TVT-Methode angewandt hat. Zur Zeit führen wir die meisten TVT-Operationen in Niederösterreich durch und ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht."
Trotz der einfachen Handhabung ist es von Bedeutung, dass der Eingriff nur nach eingehender präoperativer Abklärung und mit postoperativer Qualitätskontrolle durchgeführt wird. Zu diesem Zweck wurde in Österreich auch das weltweit einzigartige TVT-Register angelegt, in dem bereits über 3.700 Fälle dokumentiert sind.


Verschiedene Formen der Harninkontinenz

Vor einem chirurgischen Eingriff muss sorgfältig abgeklärt werden, um welche Form der Bla-senschwäche es sich handelt. Die reine Dranginkontinenz kann mit Medikamenten und einer Hormonersatztherapie behandelt werden. Stressinkontinenz, der eine organische Veränderung zugrunde liegt, ist der klassische Anwendungsbereich für TVT. Daneben gibt es die gemischte Harninkontinenz, bei der TVT in der Lage ist, bestimmte Formen - durch Verbesserung des Verschlussmechanismus und damit Unterbindung der Dranginkontinenzauslösung - zu heilen.


Harninkontinenz - nach wie vor ein Tabu

Harninkontinenz ist weit verbreitet. 1 Million Österreicher leiden darunter (85% Frauen, 15% Männer), zwei Drittel der Betroffenen sehen sich in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt. Viele Betroffene verzichten auf sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten, denn schon bei geringer körperlicher Belastung, wie Gehen, Husten oder Heben, beginnt unwillkürlich Urin zu tropfen. Laut der Medizinischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich stehen derzeit nur ca. 5% der Frauen in ärztliche Behandlung.


Zur Operationstechnik - Überprüfung der Dichte noch während der Operation

Die neue Operationstechnik TVT basiert auf einem speziell entwickelten Kunststoffband (Polypropylen). Das Band, mit dem die Harnröhre unterstützt wird, muss nicht - wie bei bisherigen ähnlichen Techniken - angenäht werden. Es haftet aufgrund seiner gitterförmigen Netz-Struktur selbst im Gewebe und wird von diesem nach kurzer Zeit durchwachsen.
Nach der Operation benötigen die Patientinnen in der Regel keinen Katheter, da sie bereits nach wenigen Stunden normal urinieren können. Während die Frauen bei Operationen mit der bisherigen Technik eine Woche im Krankenhaus bleiben mussten, genügt jetzt meist ein stationärer Aufenthalt von ein bis drei Tagen. In den Nachkontrollen wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass ein restharnfreies Urinieren gegeben ist.
Die neue Operationstechnik wurde von Wissenschaftern der schwedischen Universität Uppsala entwickelt. Trotz der Einfachheit der Methode ist - wie auch bei anderen Operationstechniken - viel chirurgische Übung und Erfahrung erforderlich. Unter Lokalbetäubung werden ein kleiner Schnitt in der Scheide und zwei oberhalb des Schambeins gesetzt. Durch den kleinen Schnitt in der Scheide wird das Band eingeführt und so durchgezogen, dass die beiden Enden bei den zuvor gesetzten Schnitten oberhalb des Schambeins aus dem Bauchraum herausragen. Man zieht nun die Enden des Bandes hoch und unterstützt damit die Harnröhre. Um die Dichte der Harnfunktion zu überprüfen, wird die Patientin während der Operation - nachdem ihre Harnblase mit 300 ml lauwarmer Kochsalzlösung gefüllt wurde - gebeten, zu husten. Das Band wird dabei solange angepasst, bis eine optimale Stellung erreicht ist.

Seit Mitte 2004 wird im Humanis Klinikum NÖ-Korneuburg als moderne Ergänzung auch der transobturatorische Zugangsweg angeboten. Der Eingriff wird dadurch weiter verkürzt, die Invasivität vermindert. Nach eingehendem Studium der Datenlage sowie Überprüfung der OP-Techniken an anderen Kliniken haben wir uns für die sog. TVT-O Methode entschieden.

 




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